Keimdauer Gemüse: So lange dauert es vom Samen zum Keimling
Orientierungswerte je Gemüseart, die wichtigsten Einflussfaktoren und was Sie tun können, wenn auf der Fensterbank nichts keimt.
Kurz gesagt
Die Keimdauer von Gemüse liegt je nach Art und Sorte in der Regel zwischen etwa vier Tagen bei Radieschen und Kresse und bis zu drei Wochen bei Petersilie, Chili oder Aubergine. Entscheidend sind Bodentemperatur, gleichmäßige Feuchtigkeit und die Saattiefe. Bleibt ein Töpfchen nach der doppelten angegebenen Zeit leer, prüfen Sie Saatgut und Bedingungen.
- Schnellkeimer wie Radieschen und Kresse zeigen sich oft schon nach vier bis acht Tagen, langsam keimende Arten brauchen zwei bis drei Wochen.
- Die Keimdauer ist keine feste Größe: Temperatur, Feuchtigkeit und Saattiefe verschieben sie deutlich.
- Wärmeliebende Arten wie Chili und Aubergine keimen bei 22 bis 28 °C am zuverlässigsten.
- Lichtkeimer dürfen nur angedrückt werden, Dunkelkeimer brauchen eine dünne Erdschicht über dem Samen.
- Altes oder falsch gelagertes Saatgut keimt langsamer oder gar nicht, eine Keimprobe schafft Klarheit.
Was die Keimdauer genau bezeichnet
Die Keimdauer beschreibt die Zeitspanne vom Aussäen bis zum Durchbrechen des Keimlings aus der Samenschale. Sie wird meist in Tagen ab dem Zeitpunkt der Aussaat angegeben und bezieht sich auf günstige Bedingungen. In der Fachliteratur ist häufig von Keimzeit die Rede, gemeint ist dasselbe. Die Werte auf Saatgutpackungen sind Erfahrungsspannen: Einzelne Samen keimen früher, andere deutlich später.
Für die Anzucht auf der Fensterbank ist die Keimdauer vor allem ein Planungswert. Sie bestimmt, wann Sie mit dem Lüften des Gewächshäuschens beginnen, wann die ersten Keimblätter Licht brauchen und ab wann Sie mit dem Pikieren rechnen sollten. Wer die Spanne kennt, gießt außerdem geduldiger und gräbt nicht vorzeitig nach.
Orientierungswerte nach Gemüseart
| Gemüseart | Typische Keimdauer | Keimtemperatur | Hinweis zur Aussaat |
|---|---|---|---|
| Radieschen, Kresse, Rucola | in der Regel 4 bis 8 Tage | etwa 15 bis 20 °C | nur dünn bedecken, zügig und gleichmäßig feucht halten |
| Kopfsalat, Pflücksalat | in der Regel 5 bis 12 Tage | etwa 15 bis 20 °C | Samen nur andrücken, nicht tief vergraben |
| Tomaten, Paprika | etwa 7 bis 14 Tage | etwa 20 bis 25 °C | warm stellen und Substrat nie austrocknen lassen |
| Gurke, Zucchini | etwa 5 bis 10 Tage | etwa 22 bis 25 °C | staunasse Erde führt schnell zu Fäulnis |
| Chili, Aubergine | etwa 10 bis 20 Tage | etwa 22 bis 28 °C | brauchen Geduld und möglichst konstante Wärme |
| Petersilie, Dill, Schnittlauch | etwa 14 bis 21 Tage | etwa 18 bis 22 °C | frisches Saatgut verwenden, ältere Chargen keimen zögerlich |
Diese Faktoren entscheiden mit
- Temperatur: Die meisten Gemüsearten keimen bei etwa 18 bis 25 °C zuverlässig, wärmeliebende Sorten brauchen mehr. Ein Fensterbank-Gewächshaus mit Heizung hilft in kühlen Räumen.
- Feuchtigkeit: Das Substrat soll feucht, aber nicht nass sein. Staunässe lässt Samen verfaulen, Austrocknen stoppt die Keimung.
- Saattiefe: Faustregel ist etwa die zwei- bis dreifache Samendicke. Lichtkeimer wie Salat nur andrücken, Dunkelkeimer mit einer dünnen Schicht Aussaaterde bedecken.
- Saatgutqualität: Keimfähigkeit und Lagerung entscheiden mit. Saatgut gehört trocken, kühl und dunkel aufbewahrt.
- Licht: Nach dem Auflaufen brauchen Keimlinge zügig helles Licht, sonst vergeilen sie. Bei dunkler Fensterbank ist eine Pflanzenlampe für die Anzucht sinnvoll.
Keimprobe schafft Klarheit bei älterem Saatgut
Wenn Sie unsicher sind, ob eine Charge noch keimt, legen Sie zehn Samen auf feuchtes Küchenpapier in einer verschlossenen Dose und stellen sie warm. Nach der üblichen Keimdauer zählen Sie, wie viele Samen gekeimt sind. Bei weniger als der Hälfte lohnt sich frisches Saatgut, sonst säen Sie einfach etwas dichter.
So reagieren Sie, wenn nichts keimt
Vorgehen bei ausbleibender Keimung
Geduld bis zur doppelten Spanne
Warten Sie die doppelte angegebene Keimdauer ab. Einzelne Samen brauchen länger, besonders bei kühlem Standort.
Temperatur prüfen
Messen Sie die Temperatur direkt am Substrat. Direkt über der Heizung wird es oft zu warm und zu trocken, am kalten Fenster zu kühl.
Feuchtigkeit kontrollieren
Wiegen Sie den Topf kurz an: Sehr leicht bedeutet zu trocken, tropfnass bedeutet Staunässe. Gießen Sie künftig feiner, etwa mit einer Sprühflasche.
Saatgut und Tiefe prüfen
Suchen Sie ein Samenkorn vorsichtig heraus. Liegt es unverändert tief in der Erde, war die Aussaat zu tief oder das Saatgut überlagert.
Nachsäen
Säen Sie mit frischem Saatgut erneut in gereinigte Töpfe und desinfizierte Erde. Alte Erde kann Pilze enthalten, die Keimlinge umbringen.
Wer die Keimdauer als Planungsgröße nutzt, spart sich Enttäuschung: Die Aussaat von Tomaten, Paprika und Chili lohnt sich früh, während schnell keimende Arten wie Radieschen auch später noch aufgehen. Eine Übersicht über Kulturen und Zeitpunkte finden Sie in der Themenwelt Gemüse vorziehen, weitere Pflegehinweise im Ratgeber Keimlinge auf der Fensterbank pflegen.
Quellen
- Keimtemperaturen & Keimdauer für Kräuter, Gemüse & Blumen, Frankies Garten, abgerufen am
- Keimtemperatur und Aussaattiefe (PDF), anstiftung, abgerufen am
- Saatgut: Keimfähigkeit, Lagerung und Keimproben, Homefarming, abgerufen am
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